Offener Brief von Manfred Kannenberg zur Coronakrise in Berlin
Die Große Koalition hat ihre Corona-Maßnahmen mit einer neuen Grundlage im Infektionsschutzgesetz (IfSG) rechtlich abgesichert und im Eiltempo eine entsprechende Gesetzesänderung durch das Parlament gebracht. Das Institut für soziale Gegenwartsfragen kritisiert Tempo und Prozedere, mit dem das „Dritte Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ am 18.11. im Bundestag beschlossen worden ist.
Seit Monaten hält die Corona-Krise unsere Demokratie in Atem. Aber die Dringlichkeit zu treffender Maßnahmen kann nicht rechtfertigen, dass Bundestag und Landtage eine Novelle des Infektionsschutzgesetzes in einem Tour de Force-Verfahren beschließen und somit letztlich einfach durchwinken. Die von der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten beabsichtigten Gesetzesänderungen hätten vielmehr gründlich in den Parlamenten beraten, Experten unterschiedlicher Disziplinen und die Öffentlichkeit in die Debatte umfassend einbezogen werden müssen.
Dazu erklärt Ulrike von Wiesenau, im Vorstand des Freiburger Instituts für soziale Gegenwartsfragen: Die Bundesregierung hat, obwohl sie eine zweite Corona-Welle für möglich halten musste, die entspannteren Monate nicht genutzt, um einen nachhaltigen und verfassungskonformen Gesetzgebungsprozess zu organisieren und eine umsichtige und längerfristig tragfähige Strategie zuerarbeiten. Nun hat sie eine schnell gezimmerte Gesetzesänderung durch das Parlament gebracht, die die Grundrechte der Bürger umfassend einschränken und alle Macht im Bundesgesundheitsministerium konzentrieren wird. Angesichts der weitreichenden Folgen der Gesetzesbeschlüsse – die ja nicht nur in der gegenwärtigen Krisenlage gelten – untergraben Eilverfahren und mangelnde Transparenz einmal mehr unsere Demokratie. Eingriffe in die Grundrechte dürfen, zumal wenn sie auf Dauer angelegt sind, nur vom Parlament in einer sorgsamen Güterabwägung getroffen werden. Doch die Regierung, deren Aufgabe als Exekutive darin besteht, das auszuführen, was die Legislative des gesetzgebenden Parlaments ihr aufträgt, wird in Zeiten der Krise mit einer bedenklichen Macht ausgestattet. Die Rolle der demokratischen Kontrollinstanzen dagegen beschränkt sich immer häufiger auf das formale Beglaubigen dessen, was in Koalitionsrunden oder anderen Kontexten abseits öffentlicher Debatten beschlossen wurde, zum Schaden unserer Demokratie.
https://www.pressenza.com/de/2020/11/corona-symptomatik-im-bundestag-gesetzgebung-im-eilverfahren/
In Deutschland wird es auf absehbare Zeit keine allgemeine Corona-Impfpflicht geben. Im Bundestag fanden weder der Gesetzentwurf für eine Impfpflicht ab 60 Jahren noch ein Antrag der Unionsfraktion für ein Stufenmodell die erforderliche Mehrheit. Auch die beiden Anträge gegen die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht scheiterten im Parlament. Damit wird es in Deutschland aktuell keine über die seit März geltende, umstrittene Corona-Impfpflicht für das Personal in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen hinausgehende Verpflichtung für andere Bevölkerungsgruppen geben.
Dazu Ulrike von Wiesenau, im Vorstand des Freiburger Instituts für soziale Gegenwartsfragen: "Seit Beginn der Corona-Krise war eine allgemeine Corona-Impfpflicht, die schwerwiegende Eingriffe in zentrale Grundrechte beinhaltet, lange über alle Parteigrenzen hinweg ausgeschlossen worden. Nun ist es nach kontroversen Debatten und Anträgen doch noch dazu gekommen, dass der deutsche Bundestag ein Zeichen für eine freie Impfentscheidung gesetzt und damit eine weitere Spaltung der Gesellschaft verhindert hat. Ein Impfstoff, der weder geeignet ist, eine wirkliche Herdenimmunität zu schaffen, der nicht verlässlich davor schützt, sich und andere anzustecken und auch keine neuen Infektionswellen verhindert, kann keine gesetzliche Impfpflicht rechtfertigen. Nun müssen wir in der Corona-Debatte endlich aus dem Panikmodus heraustreten und Lehren aus der Krise ziehen, indem wir den Personalnotstand in Krankenhäusern und Gesundheitsämtern beseitigen und unser Öffentliches Gesundheitssystem, das durch eine fatale Politik von Privatisierungen, Fallpauschalen, und Krankenhausschliessungen demontiert wurde, stärken und krisenfähig machen."
https://www.pressenza.com/de/2022/04/panikmodus-verlassen-und-oeffentliches-gesundheitswesen-krisenfaehig-machen/
Manfred Kannenberg zu Helmut Wolls: „Unkonventionelle Zugänge zur Ökonomie“, Metropolis-Verlag, Marburg 2019, 194 Seiten, € 19,80)
Hier geht es nicht um die Machbarkeit ökonomischer Entwürfe oder (macht-)politisch relevant gewordene Theorien dieser Wissensdisziplin, sondern um ein denkerisches Herantasten an die ökonomische Wirklichkeit aus verschiedensten, neuen Blickwinkeln. Nicht umsonst spricht man in jüngster Zeit oft von den „blinden Flecken der Ökonomie“ als Wissenschaft. Der Autor hat sich solcher Denker angenommen, die sie sich von fruchtbaren Fragestellungen leiten lassen und die gegebenen Denkmuster verlassen haben. Diese Sozialwissenschaftler ziehen ihn förmlich an: H. Ch. Binswanger, I. Illich, G. Heinsohn, E. F. Schumacher, L. Kohrs, Chr. Felber, K. Marçal, N. Taleb, K. H. Brodbeck, R. Henrich, H. Hardensett, J. Vogl, A. Peters, R. Goldscheid, R. Steiner, M. Beleites, N. Paech. In seinen Essays charakterisiert Woll die Vorgehensweise der portraitierten Denker und gibt dem Leser die Chance eigener Beurteilung.
In seiner Rezension „Das Undenkbare denken lernen“ bespricht Manfred Kannenberg das Werk „Aktaions Unglück. Die Corona-Krise aus geisteswissenschaftlicher Sicht“ von Thomas Brunner, erschienen 2021 im Verlag Edition Immanente.
Das Buch bietet eine anthroposophisch und geisteswissenschaftlich geprägte Analyse der Pandemie-Jahre.
7.10.2017, 19:00 Uhr, KulTourPunkt Bahnhof Görlitz
Aus der Reihe der Jubiläumsveranstaltungen zum 100. Geburtstag des Bahnhofsgebäudes 2017. Ein Vortrag zur Wirkung von Bahnhöfen
von Manfred Kannenberg-Rentschler
Helmut Woll hat als Wirtschaftspädagoge und Ökonom zahlreiche Beiträge verfasst, die sich explizit mit der Wachstumskritik und der Institutionenanalyse von Ivan Illich auseinandersetzen. Ivan Illich (1926–2002), der am 4. September 2016 seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte, lieferte mit seiner Kultur- und Technikritik einen tiefgreifenden Gegenentwurf zur klassischen Politischen Ökonomie. Er kritisierte den modernen Wachstumsfetismus und zeigte, wie industrielle Systeme die Autonomie des Menschen zerstören, anstatt sie zu fördern.
Manfred Kannenberg-Rentschler hält am 23. August 2019 einen Vortrag in der Waldorschule in Chemnitz. Am 24.8 findet dazu ein vertiefendes Gespräch mit ihm statt.
Der Vortrag von Manfred Kannenberg beleuchtet Schweppenhäusers Lebensweg in der Reihe „Lebenswege“. Im Fokus steht sein unermüdliches Wirken an der Schnittstelle von praktischer Wirtschaft (u. a. Ausgestaltung von Assoziationen) und geisteswissenschaftlich orientierter Sozialwissenschaft. Er wird dabei als Denker porträtiert, der die soziale Dreigliederung nicht nur theoretisch dachte, sondern ins soziale Leben überführen wollte.
Am 9.9. 2016 im Karl Ballmer Saal, Liegnitzerstr. 15, 10999 Berlin
Manfred Kannenberg rezensiert nach einem Besuch bei Rolf Henrich dessen Buch „Ausbruch aus der Vormundschaft. Erinnerungen“, seine Autobiografie, die als politische Bilanz und Fortsetzung seines legendären Werks von 1989 verstanden wird. Während er im Frühjahr 1989 mit der systemkritischen Analyse „Der vormundschaftliche Staat“ das theoretische Fundament für den Protest legte, blickt er in diesem Folgewerk auf seinen eigenen Lebensweg und die Friedliche Revolution zurück.
Ludwig Jacobowski (1868 – 1900) und „Die Kommenden“
Ein Vortrag von Manfred Kannenberg-Rentschler
26. Oktober 2018, 18:00 im Saal des Christian Morgenstern-Literaturmuseums in Werder/Havelland Bismarckhöhe
Manfred Kannenberg hat sich mit den aktuellen Mietpreissteigerungen beschäftigt und diese mit dem unzulänglichen Bodenrecht in Beziehung gesetzt.
Die Weltwirtschaftskrise 2008 hat auch die ökonomische Theorie erschüttert. Die Lehre von Angebot und Nachfrage, vom stabilen Geld, von Effizienz und marktwirtschaftlicher Steuerung konnte die Krise nicht erklären. Das klassische Lehrbuchwissen hat sich als untauglich erwiesen. Bisher wurde die Ökonomie vor allem als Nationalökonomie gedacht. Diese Sichtweise wird der aktuellen Lage nicht mehr gerecht. Wir brauchen ein neues ökonomisches Wissen in weltwirtschaftlicher Perspektive über Ursprung und Ursache des weltweiten Wohlstandes.
Anbei eine Kolumne.
Michael Beleites hat ein lesenswertes Buch zur Landwende geschrieben und war am 26. Okt. 2016 zu einem Vortrag in der Ringvorlesung zur Postwachstumsökonomie in Oldenburg. Eine Rezension des Buches von Helmut Woll.
von Helmut Woll
Vortrag von Manfred Kannenberg am 28.10.2016, 10:00 auf der Tagung 'Geist und Kapital'.
27.-30. Oktober 2016, Waldorfschule Berlin-Mitte, Weinmeisterstr.16, 10178 Berlin. Programm: http://www.geistundkapital.de
Unsere treue Wegbegleiterin und langjährige Mitarbeiterin, Ingeborg Löffelbein, ist am 29. Mai 2017 verstorben.
Am 9. Mai 2019 ist unser Instituts-Freund Karl Huober verstorben.
Am 30. April 2019 ist unser Instituts-Freund und langjähriger Vorstand Prof. Dr. Peter Matthiessen verstorben.
Karl-Heinz Brodbeck legt in seinen Werken, insbesondere in seinem Standardwerk „Die fragwürdigen Grundlagen der Ökonomie“, detailliert dar, warum die moderne Volkswirtschaftslehre (Mainstream-Ökonomik) auf fundamentalen Denkfehlern und epistemologischen Irrtümern beruht. Die Ökonomie verstrickt sich laut Brodbeck in „Denkgewohnheiten“, die ihre eigenen Irrtümer als unumstößliche Fakten tarnen. Anstatt eine empirische Wissenschaft zu sein, agiert sie oft als Ideologie, die den Menschen zum bloßen Objekt geldlicher Anreize degradiert. Er plädiert stattdessen für eine post-mechanistische Ökonomie, die stark von philosophischen Ansätzen geprägt ist. Helmut Woll rezipiert seine ökonomischen Konzepte.
Das Institut für soziale Gegenwartsfragen e.V. wurde 1963 in Berlin von dem Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler Hans-Georg Schweppenhäuser (1898–1983) mitbegründet. Er hinterließ ein umfangreiches, interdisziplinäres Werk zu den brennenden sozialen Fragen des 20. und 21. Jahrhunderts: Zur Problematik des Privateigentums, zum Problem der Arbeitslosigkeit, zum technischen Fortschritt, zum Liberalismus und hier zum Kooperations-. und Assoziationsgedanken:
.„Verfassen, nicht verfasst werden – 1989–2017. Vom Runden Tisch zur Volksgesetzgebung in Berlin“ Unter diesem Titel präsentieren die Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt im Jahr 2017 eine Veranstaltungsreihe sowie ihre fünfte Ausgabe mit dem Schwerpunkt „Zur Verfassung – Recherchen, Dokumente 1989–2017“.
Anlässlich dieser Veröffentlichung blicken wir zurück auf die historischen Versuche, die Berliner Verfassung aktiv mitzugestalten. Wie lassen sich die Erfahrungen der DDR-Demokratiebewegung für die aktuelle stadtpolitische Situation nutzen? Darüber diskutieren die Demokratie-Expertin und Aktivistin Ulrike von Wiesenau, die Verfassungsrechtlerin Prof. Rosemarie Will (Mitautorin des Verfassungsentwurfs des Zentralen Runden Tisches der DDR) sowie weitere Experten.
Die Moderation des Abends übernehmen die Herausgeber der Berliner Hefte: Elske Rosenfeld, Kerstin Meyer und Joerg Franzbecker.
Am 27.11.2017, 19:00, Aquarium (Südblock), Skalitzer Str. 6, 10999 Berlin
Manfred Kannenberg hat zu seiner Spurensuche nach zehn Jahren ein neues Nachwort geschrieben. Das Buch versteht sich nicht als reine Biografie oder historischer Stadtführer. Es verfolgt stattdessen den Anspruch, das Aufkeimen einer völlig neuen Geisteswissenschaft (Anthroposophie) inmitten des materiellen und politischen Aufbruchs der Metropole Berlin spürbar zu machen.